Über Michael Brückner

Pirat seit 2009, keine Vorstandsämter. Kümmert sich in Karlsruhe um die Stammtischorganisation und erstellt ab und zu auch Flyer für lokale Aktionen. Regelmäßig auch bei Infoständen dabei.

Internationaler Aktionstag gegen Homophobie – Inklusion statt Ausgrenzung!

In Umfragen spricht sich die Mehrheit der Menschen in Deutschland für die sogenannte Homoehe aus. Die Gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität und allen Orientierungen, die von der (vermeintlichen) Gesellschaftlichen Norm der Monogamen Heterosexualität abweichen, ist jedoch noch keineswegs durchgesetzt. Dies drückt sich nicht nur in Stammtischwitzen und Beschimpfungen aus.

Am heutigen 17.5. ist der internationale Aktionstag gegen Homophobie.

Fast 2/3 der homosexuellen Menschen in der EU trauen sich, laut einer Umfrage, immer noch nicht, öffentlich zu ihrer Homosexualität zu stehen. Egal ob lesbisch, bisexuell, schwul, polyamourös, asexuell, intersexuell, transsexuell oder anderweitig „normabweichend“: Trotz gesellschaftlicher und gesetzlicher Fortschritte bleiben Diskriminierungen und Gewaltbedrohung EU-weit bestehen, insbesondere in Osteuropa.

Sechs Prozent der Befragten erzählten von körperlichen Angriffen in den vergangenen zwölf Monaten, die zum Teil in der eigenen Familie stattfanden. Frauen wurden außerdem häufiger Opfer von sexuellen Übergriffen. Transgender berichten der Erhebung zufolge, dass sie durchweg weniger Toleranz erfahren als Homo- und Bisexuelle.[1]

Doch selbst in der Gesetzgebung der vermeintlich so fortschrittlichen Bundesrepublik besteht noch immer Handlungsbedarf: Die eingetragene Lebensgemeinschaft ist der Ehe noch immer nicht rechtlich gleichgestellt, z.B. beim Adoptionsrecht. Wir Piraten fordern in unserem Wahlprogramm zur Bundestagswahl u.a.:

„Politik muss der Vielfalt der Lebensentwürfe gerecht werden und eine wirklich freie Entscheidung für die individuell gewünschte Form des Zusammenlebens ermöglichen. Eine ausschließlich historisch begründete Bevorzugung ausgewählter Familienmodelle lehnen wir ab. Die Piraten setzen sich für die vollständige rechtliche Gleichstellung sämtlicher Lebenspartnerschaften ein. […]

„Der Wunsch, eine Familie zu gründen, darf nicht am klassischen Familienbild hängen bleiben. Die geschlechtliche Identität oder die sexuelle Orientierung darf hierbei keine Rolle spielen.” […]

„Wir Piraten setzen uns dafür ein, dass der Begriff “Ehe” durch die “eingetragene Lebenspartnerschaft” ersetzt wird. Die auf der Ehe basierenden Rechten und Pflichten sind auf die “eingetragene Lebenspartnerschaft” zu übernehmen.“ […]

„Des weiteren wollen wir für alle Formen der homosexuellen, heterosexuellen und polyamourösen (Liebesbeziehung zu mehr als einem Menschen) Partnerschaften, die eingetragene Lebenspartnerschaft öffnen. Damit soll sie über ihren monogamen Anspruch hinaus auch das Zusammenleben von mehr als zwei Personen rechtlich regeln.“

Wir bekennen uns zum Pluralismus des Zusammenlebens. Politik muss der Vielfalt der Lebensstile gerecht werden und eine wirklich freie Entscheidung für die individuell gewünschte Form des Zusammenlebens ermöglichen. Doch auch heute geben nur 40% der Jugendlichen zwischen 14-17 Jahren an, im Sexualkundeunterricht das Thema Homosexualität behandelt zu haben. Wir fordern deshalb eine Ausweitung der Behandlung von sexueller Orientierung und sexueller Identität im Sexualkundeunterricht.

Den Kindern der heutigen Lesben und Schwulen soll es einmal besser gehen. Wir setzen uns ein für eine inklusive Gesellschaft, in der es keine Norm gibt, an die sich anzupassen ist und in der Menschen unabhängig von (sozialem) Geschlecht, sexueller Orientierung, Ethnie und körperlichen Einschränkungen gleichberechtigt miteinander leben.

Quellenangaben:

  1. European Union Agency for Fundamental Rights []

Mietspiegel in Karlsruhe

Die Karlsruher Piraten begrüßen die Einführung eines Karlsruher Mietspiegels. Durch die Informationen können Wohnungssuchende sich vor überzogenen Mieten und Mieter sich vor unverhältnismäßigen Erhöhungen schützen.

Einzig die Art Bereitstellung trifft auf Kritik.

»Die Informationen gibt es nur als gebundene Broschüre gegen 6,- EUR Schutzgebühr. Sie sollten besser für alle kostenlos im Internet bereitgestellt werden.« so Martin Bartsch, Direktkandidat der Piratenpartei für Karlsruhe.»Wir wollen, dass Daten, die vom Staat erhoben werden, im Sinne von Open Access verfügbar sind.« Dies würde bedeuten, dass die Informationen für alle frei zugänglich und maschinenlesbar angeboten werden.

Vorteile ergeben sich daraus nicht allein für den einzelnen Bürger, sondern auch für z.B. Forschungseinrichtungen, die hierdurch Vergleiche verschiedener Regionen und Städte anstellen könnten.

Bericht von der Gesprächsrunde zur Situation des Badischen Staatstheater Karlsruhe

Am 14.03.2013 informierten sich Mitglieder der Piratenpartei, darunter der Direktkandidat Martin Bartsch und Listenkandidat Christian Schwarz, in einem Gespräch mit dem Generalintendanten Peter Spuhler zur Situation und Zukunft des Badischen Staatstheaters. An dem Gespräch nahmen außerdem noch Dr. Achim Sieben, persönlicher Referent sowie Ivica Fulir, Referent für Bauangelegenheiten teil.

Den Einstieg des Gesprächs bildeten Informationen über die Theaterlandschaft in Deutschland und im speziellen in Baden-Württemberg sowie deren Finanzierung.

Das Badische Staatstheater wird zu jeweils der Hälfte von Stadt und Land getragen. Der Jahresetat beträgt 40 Millionen Euro, wobei der Lohnkostenanteil bei 85 % liegt und Kürzungen im Etat dadurch fast immer direkt die Beschäftigten treffen. Das Staatstheater beschäftigt 600 Festangestellte (davon 440 tarifgebunden und 160 Künstler) sowie weiter 150 Personen mit Zeitverträgen. Die Einnahmen durch Ticketverkäufe liegen bei ca. 12 %, was dem Durchschnitt in deutschen Theatern entspräche.

Demnächst steht die Umwandlung zu einem Landesbetrieb an. Dies ermögliche mit der Einführung der doppelten Buchführung leichteres Controlling und flexibleres Wirtschaften. Es ergebe sich allerdings auch ein höheres Risiko, da sich die Träger leichter aus der Verantwortung ziehen könnten.

Weiterhin wurde über Besucherzahlen und die Besucherstruktur gesprochen. Wie auch im bundesweiten Trend sind sie in Karlsruhe rückläufig und in den letzten 20 Jahren von 390.000 auf 280.000 gesunken. Einen besonders starken Einfluss hatte laut Peter Spuhler, dass in Karlsruhe der Aufbau eines Jugend- und Kinder-Theaters lange verschlafen wurde. Eine Besucherstudie zeigt, dass das Staatstheater kein “Elitentheater” ist und eher mittlere Einkommensschichten zu den Besuchern gehören.

Angesprochen auf die vielen Baustellen in Karlsruhe sagte Herr Spuhler, dass viele Gäste aus dem Karlsruher Umland kommen und dies durch den Wegfall der Busparkplätze an der Kriegsstraße mittelfristig ein Problem darstellt. Langfristig sieht Herr Spuhler die Kombilösung als großen Zugewinn, da das Theater dann nicht mehr abgetrennt von der Innenstadt sei.

Zielsetzung für die kommenden Jahre ist es, die Besucherzahlen wieder auf über 300.000 zu erhöhen. Dies soll insbesondere dadurch erreicht werden, dass durch eine größere Vielfalt im Programm mehr Besucher aus der Stadt sowie mehr Migranten und wieder mehr junge Besucher an das Theater herangeführt werden.

In diesem Zusammenhang ging Herr Spuhler auf den geplanten Umbau ein. Der derzeitige Bau ist von 1975 und ist für ein Mainstream-Programm mit relativ wenig unterschiedlichen Vorführungen ausgelegt. Um neusten Bauvorschriften zu entsprechen, und um das Angebot des Staatstheaters wieder an einem Standort zu bündeln, soll das Theater saniert und dabei zusätzlich 11.000 m² neue Räumlichkeiten geschaffen werden. Aktuell ist der Theaterbetrieb weit über die Stadt verteilt. So sind Probebühnen in der Nancy Halle eingerichtet und das Kinder und Jugendtheater in den Räumlichkeiten der Insel. Wenn dies wieder stärker zusammengezogen werden kann ergeben sich daraus Einsparpotentiale bei den Betriebskosten.

Sanierung und Neubau werden 120 Millionen Euro kosten, davon trägt die Stadt 60 Millionen Euro. Die Neubaupläne orientieren sich an der ursprünglichen Planung des Architekten der 70er Jahre. Fertigstellt wird der Neubau frühestens 2026. Herauszuheben ist, dass die Gelder für den Neubau nicht aus dem Kulturetat kommen, da das Haus dem Finanzministerium gehört.

Zum Einfluss der Politik auf den Betrieb des Theaters zeigte sich Herr Spuhler gespalten. Er forderte auf der einen Seite mehr Engagement durch langfristigere Zusagen und Zielvorgaben, auf der anderen Seite sprach er an, dass in Karlsruhe der Verwaltungsrat den Spielplan genehmigen muss, was in einem deutschen Theater die Ausnahme darstellt. Bisher gab es allerdings noch keine größeren Probleme.

Auf Nachfrage der anwesenden Piraten, in wie weit das Staatstheater seine Räumlichkeiten und Mittel anderen Gruppen der Stadt zur Verfügung stellen kann, stellte Herr Spuhler klar, dass aufgrund der abendlichen Vorführungen und Proben leider keine Räume für z.B. Laien-Chorproben zur Verfügung stellen kann. Allerdings wurde in einer Kooperation mit der Studentengruppe enactus ein Projekt umgesetzt, dass Studenten ermöglicht tagsüber das Foyer des Staatstheaters als Lernraum zu nutzen. Dieses Angebot nehmen täglich 50-100 Studenten wahr. Desweiteren lassen sich Räumlichkeiten tagsüber nutzen (z.B. für Gymnastik- und Yoga Kurse).

Bei der Vorbereitung zu dem Termin ist den Piraten aufgefallen, dass Informationen über den Geschäftsbetrieb und die umgesetzten Projekte schwer zu finden sind. Sie regten daher im Gespräch an, dass das Staatstheater und der Verwaltungsrat einen Geschäftsbericht im Internet veröffentlichen sollten.

Verweise:

Bildnachweis:

Artikelbild CC-BY-SA von Rainer Lück (Wikimedia).

Warum wir Frank Mentrup unterstützen

In diesem Artikel möchten wir auf drei wichtige Gemeinsamkeiten zwischen den Positionen des OB-Kandidaten Frank Mentrup und dem Programm der Piraten eingehen.

Bürgerbeteiligung und politische Kultur

Den Piraten liegt sehr am Herzen, dass die Politik nicht mehr fernab der Bürger gemacht wird, sondern möglichst in Zusammenarbeit mit ihnen. Wir sind davon überzeugt, dass ein Beteiligung der Bürger nicht nur zu sozialem Frieden führt, sondern auch die besseren und nachhaltigeren Lösungen hervorbringt. Um ein Einbinden der Bürger zuzulassen müssen viele Politiker erst einmal von ihrem hohen Ross heruntersteigen und die Kompetenz aller Beteiligten anerkennen.

Auch Herr Mentrup kennt und schätzt die in der Bürgerschaft liegenden Kompetenzen und befürwortet eine stärkere Einbindung direkt Beteiligter. Ebenso soll eine Möglichkeit für alle Interessierte geschaffen werden an Diskussionen teilzunehmen.

Transparenz und Informationsfreiheitssatzung

Eng mit dem vorangegangenen Punkt verknüpft ist eine transparente Politik und das Bereitstellen von Informationen durch die Stadtverwaltung. Die Bürger können sich informieren und damit fundierte Entscheidungen treffen und sich auf Augenhöhe beteiligen. Daher fordern die Piraten auch eine Informationsfreiheitssatzung, die die Offenlegung relevanter Informationen auf kommunaler Ebene festschreibt. Dieser Vorschlag wurde von Frank Mentrups Team aufgenommen und in sein Programm geschrieben.

Auch Transparenz für politische Entscheidungsprozesse ist wichtig, nicht nur um Politikverdrossenheit entgegen zu wirken, sondern auch um Korruption und Vetternwirtschaft vorzubeugen. Auch Mentrup hält eine Änderung des Politikstils in diese Richtung für eine Voraussetzung um Misstrauen in der Bevölkerung abzubauen.

Zweite Rheinbrücke

Nach der derzeitigen Planung der zweiten Rheinbrücke wäre das Ergebnis ohne Vorteile für Karlsruhe und hätte eine höhere Verkehrsbelastung auf der westlichen Südtangente zur Folge. Daher setzt sich die Piratenpartei Karlsruhe für das Erarbeiten und Realisieren einer umweltschonenden und nachhaltigen Lösung für eine zweite Querung des Rheins in der Nähe von Karlsruhe und die Anbindung dieser Querung an die B36/A5/A8 auf Baden-Württembergischer und A65/B9/B10/ auf Rheinland-Pfälzischer Seite ein. Dabei soll die Südtangente entlastet und die Belastung für die Bevölkerung z.B. durch geeignete Verkehrsleitung so gering wie möglich gehalten werden.

Die aktuelle Planung wird auch von Herrn Mentrup abgelehnt, der es ebenfalls für wichtig hält, dass Karlsruhe nun die Initiative ergreift um nicht vom Bund als Bauträger überrumpelt zu werden und so vor vollendete Tatsachen gestellt zu sein.

Interview mit Frank Mentrup

Am 17.11. besuchte uns Herr Mentrup am Karlsruher Piraten-Infostand. Marcel Gültig führte mit ihm ein kleines Interview zu lokalpolitischen Themen.

Frank Mentrup (SPD, OB Kandidat Karlsruhe)

Frank Mentrup (SPD, OB Kandidat Karlsruhe)

Herr Mentrup, glauben Sie, dass durch eine transparentere Politik, in der Entscheidungsprozesse für alle nachvollziehbar sind die Politikverdrossenheit eingedämmt werden kann?

»Ich glaube das schon und ich glaube vor allem, dass man damit auch Bürgerinnen und Bürger viel besser animieren kann sich an kommunal politischen Prozessen (vor allem um die geht es ja jetzt in der Stadt Karlsruhe) zu beteiligen. Ich weiß aus Hamburg und München, dass es Informationsfreiheitssatzungen bzw. Erklärungen gibt, und dass das ja sogar dazu führt, dass die ganze EDV umgestrickt wird, sodass auch der Bürger und die Bürgerin, schon von außen sich im Grunde in alle Vorlagen und in alle Unterlagen einlesen kann die interessant sein könnten und so etwas sollten wir dann in Karlsruhe auch einführen.«

Was kann durch einen anderen Politikstil in Karlsruhe verbessert werden?

»Zunächst geht es ja vor allem darum, dass dieses Misstrauen was hier in den letzten Jahren sich aufgebaut hat zwischen Gemeinderat, Oberbürgermeister, Verwaltung und Bürgerschaft, was auch zum Teil mit einer etwas misslungenen Bürgerbeteiligungskultur etwa im Zusammenhang mit der U-Strab zu tun hat, dass man dieses Mistrauen versucht zu überwinden um überhaupt wieder zu einem konstruktiven Miteinander zu kommen. Dann kann man auf der Grundlage auch als Probleme besser lösen, die im Moment ja vor allem daran kranken, dass man zwar viel darüber diskutiert aber am Ende keine Entscheidung trifft.«

Wie wollen Sie die Karlsruher an der Politik beteiligen?

»Wir müssen im Grunde für jede Frage überlegen welche Art von Bürgerbeteiligung bindet jetzt nicht nur die ein, die von dem Thema direkt betroffen sind, sondern auch die, die gern sowieso mitdiskutieren wollen und da kann man ja per Zufallsverfahren den Bürger finden, man kann aufrufen, dass sich Bürger melden sollen, die man beteiligt, man kann die Interessengruppen einbinden, und da muss man im Prozess einen gemeinsamen Prozess vereinbaren. Wir müssen uns am Anfang aber auch klar sein welche Dinge überhaupt zur Entscheidung anstehen. Viele Fragestellungen kann man nicht völlig offenhalten, man ist ein stückweit schon durch Infrastruktur oder durch auch Nutzungsideen ein bisschen vorgeprägt.«

Der KVV ist ein Aushängeschild Karlsruhes, er ist aber auch erst kürzlich wieder durch seine Preisgestaltung aufgefallen, als er über die Presse verlauten ließ, die Preise würden im Schnitt um 4,2 Prozent steigen, in Wahrheit tun sie es aber um 7 Prozent. Wir Piraten fordern einen umlagenfinanzierten öffentlichen Nahverkehr, Fahrscheine würden entfallen. Wie stehen Sie dazu?

»Also bisher fehlen die gesetzlichen Grundlagen für den umlagefinanzierten Nahverker. Auch Herr Palmer in Tübingen hat sich jetzt wieder von der Idee verabschiedet und in sofern sollten wir jetzt überhaupt ersteinmal versuchen den KVV attraktiver zu machen und nicht nur als Baustellen- und Preiserhöhungfirma wahrzunehmen. und ich glaube, dass gerade der KVV im Moment sehr stark noch von den Lorbeeren der Vergangenheit profitiert aber mehr dafür tun muss attraktiv zu bleiben. Und auch vor allen in einem besseren Gespräch, besseren Kontakt zu sein. Wenn dann die Zahlen und Nutzerzahlen wieder steigen, dann müssen die Preise auch nicht so erhöht werden.«

Die Rheinbrücke in der jetzigen Planung hat nach einer Studie keinerlei positiven Auswirkungen auf Karlsruhe, trotzdem wird sie weiter vorangetrieben. Sehen Sie noch Chancen eine geeignetere Lösung zu finden, die die Karlsruher Bürger weitest möglich vor zusätzlicher Verkehrsbelastung schützt?

»Ich bleibe auch dabei, dass diese geplante zweite Rheinbrücke in dieser Form ungeeignet ist, weil sie Verkehrspolitisch eher nur noch zu zusätzlichen Staus auf der Südtangente führt und auch politisch im Moment gar nicht umsetzbar ist hier. Trotzdem ist es so, dass der Bund der Bauträger ist. Er könnte also auch die zweite Rheinbrücke gegen den Willen der Stadt Karlsruhe durchsetzen, wenn er an die Grundstücke ran kommt, die er ja dafür braucht. Ich hoffe aber, dass man da vorher mit einer klaren Position aber auch mit konstruktiven Vorschlägen wie man das Thema zusätzliche Überquerung über den Rhein da noch einmal auf den Bund zugeht, dass man noch mal gegebenenfalls sogar das ganze Planungsverfahren öffnen kann weil so im Moment bewegen sich nur zwei Züge aufeinander zu und das ist für beide Seiten nicht gut.«

In Ihrem Programm reden Sie davon, dass Sie im Rahmen des kommunalen Wirkungsbereichs auf eine besonders strikte Einhaltung des Datenschutzes achten wollen. Was stellen Sie sich darunter konkret vor?

»Wir müssen einerseits auf den Datenschutz achten, das sind wir ja auch den Bürgerinnen und Bürgern schuldig. Auf der anderen Seite müssen wir aber versuchen alles so transparent und offen zugänglich wie möglich zu machen. Und hier hab ich den Eindruck, dass in der Vergangenheit zu sehr mit der Begründung des Datenschutzes Bürgerinnen und Bürgern Informationen vorenthalten wurden und diese Grenze, die man ja miteinander definieren muss, die müssen wir zugunsten von Informationstransparenz verschieben. Aber gleichzeitig auch Bürgerinnen und Bürger natürlich weiter schützen, dass nicht ihre persönlichen Daten an die falsche Stelle kommen.«

Wir Piraten Karlsruhe fordern in unserem kommunalen Programm eine Mindestquote für sozialen Wohnraum bei neuen Wohnbauprojekten, wie stehen Sie dazu?

»Wir brauchen über irgendwelche Quoten hinweg ganze Programme um sozialen Wohnraum, um preiswerten Wohnraum hier in Karlsruhe in großer Zahl zu schaffen und zwar nicht nur für die Studierenden sondern auch für Familien und auch für die älter werdende Bevölkerung, die ja irgendwann von ihrer gesetzlichen Rente leben muss und nicht mehr von ihrem guten Einkommen vorher leben kann und das bedarf eines eigenen Wohnungsbau Programms, das wir dann über Volkswohnungen und andere Gesellschaften abwickeln müssen. Und da gehört dann eine soziale Bindung auch ganz selbstverständlich dazu.«

Bei unserer letzten Kreismitgliederversammlung haben wir beschlossen, dass die Karlsruher Archive, insbesondere das Stadtarchiv digitalisiert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Bisher muss mit den Originalen gearbeitet werden, die dadurch langsam aber sicher verfallen. Was halten Sie von dieser Forderung?

»Die Forderung ist völlig berechtigt und es ist ja auch sinnvoll das der Nutzer nicht erst ins Stadtarchiv kommen muss sondern auch von außen möglicherweise schon in diese Bestände kommt. Das ist zum Teil sehr sehr teuer, ich erlebe gerade auf der Landesebene, bei den Landesarchiven gibt es jetzt gerade solche Digitalisierungs-Programme und in soweit muss man schauen wie man das mit kommunalen Geldern aber auch vielleicht mit anderen Geldern noch schrittweise umsetzen kann, aber die Forderung ist absolut berechtigt.«

Herr Mentrup, vielen Dank für das Gespräch!

Hier könnt ihr euch das komplette Interview auch nochmals als Aufzeichnung anhören:

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Das Interview führte Marcel Gültig – stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Karlsruhe.

Frank Mentrup legt die Latte hoch

Zur kommenden OB-Wahl im Dezember suchen wir Karlsruher Piraten einen Kandidaten. Wir werden uns dabei an Inhalten orientieren, und sind daher derzeit offen einen Piraten, Unabhängigen oder Mitglied anderer Parteien zu unterstützen.

SPD, Grüne und KAL haben sich bereits auf Herrn Dr. Frank Mentrup als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Auf Herrn Mentrups Wunsch boten wir ihm die Gelegenheit, sich unseren Fragen zu stellen.
Trotz zeitgleich beginnendem EM-Spiel der deutschen Mannschaft hatten sich rund 30 Piraten und andere interessierte Bürger beim vergangenen Piratentreffen am 13. Juni im Walhalla versammelt.

Herr Mentrup präsentierte sich zusammen mit Christoph Frohneberg von der SPD, Dr. Anke Rigbers von den Grünen sowie mit Stefan Struck von der KAL (Karlsruher Liste). Einleitend stellte sich Herr Mentrup kurz biographisch vor. Er schilderte dabei seine Motivation, Ambition und Intention als OB in Karlsruhe, die sich in dem Wunsch nach einem Wechsel des Arbeitsstils und besserer Einbindung von Bürgern und lokalen Interessenvertretungen zusammenfassen lassen. Er warb dabei um Unterstützung durch die Piraten.

Die Teilnehmer stellten im Vorfeld gesammelte Fragen an Herrn Mentrup. Auf einige aus Piratensicht bemerkenswerte Antworten werden wir im Folgenden näher eingehen.

Verkehr

Das Thema Verkehr umfasste Aussagen zu zweiter Rheinbrücke, Nordtangente, Funktion der Südtangente, Attraktivität der Radwege und des ÖPNV in Karlsruhe.
Auf die Frage nach einem Modellversuch fahrscheinlosen Nahverkehrs gab Herr Mentrup zu, Einzelheiten dieser Forderung der Piraten nicht zu kennen. Als denkbare Finanzierung einer technisch fahrscheinlosen Lösung wären für ihn pauschale Abgaben möglich. Er könne sich einen solchen Versuch in Karlsruhe vorstellen. Dabei sollte, landesweit abgestimmt, in verschiedenen Größen von Siedlungen oder Verbünden getestet werden. Inhaltlich entspricht dies unseren Forderungen aus dem Landtagswahlprogramm von 2011.

Überwachungsmaßnahmen und Vorratsdatenspeicherung

Im Themengebiet Überwachungsmaßnahmen und Vorratsdatenspeicherung fragten wir: „Wie stehen sie zu Überwachungsmaßnahmen im öffentlichen Raum, insbesondere zur Videoüberwachung?“. Herr Mentrup verwies auf seine Ablehnung, die er in der Vergangenheit in Mannheim dazu ausgesprochen habe. Er wolle aber nicht endgültig urteilen ohne die Ergebnisse solcher Maßnahmen genauer zu betrachten. Er habe durch ein Erlebnis in seinem familiären Umfeld den Wert von Videoaufzeichnungen neu bewerten müssen. Er bevorzuge es jedoch, andere Lösungen zu prüfen bevor neue Videoüberwachungsanlagen installiert werden und betonte „Von Videokameras an Schulen halte ich nichts“.

Bürgerbeteiligung

Das Thema Bürgerbeteiligung sieht Herr Mentrup als wichtig an für eine Änderung des Stils, wie in Karlsruhe Lokalpolitik betrieben wird. Dabei verwies er darauf, dass auch in der Bevölkerung viel Expertenwissen vorhanden ist, welches für bessere Verwaltungsentscheidungen von Wert ist. Allerdings scheinen seine Vorstellungen, wie die Bürgerbeteiligung organisiert werden sollte, nicht wirklich von einer Einbeziehung der Möglichkeiten des Internets und einer damit möglichen Ausweitung auf mehr Bürger auszugehen. Auf die Frage nach einer Informationsfreiheitssatzung für die Stadt Karlsruhe äußerte er sich bestürzt, wie schwer Informationen zu erhalten sind. Trotz der Bemerkung, dass sich die Möglichkeiten hier ändern müssen, entzog er sich einer konkreten Aussage mit dem Rückzug auf mögliche entgegenstehende Rechtsauffassung.

Das war nur eine begrenzte Auswahl, der piratenrelevanten besprochenen Themen. Ein privater, nicht vollumfänglicher Mitschrieb der Fragen und Antworten kann im Wiki eingesehen werden. Dort findet man neben Aussagen zu Kulturpolitik, Sozialpolitik, Wohnungsbau auch ein persönliches Fazit von Herrn Mentrup selbst.

Es hat sich gelohnt dabei gewesen zu sein: Herr Mentrup hat sich viel Zeit für uns genommen und sich als durchaus aufgeschlossen für die ihm noch unvertraute politische Richtung dargestellt. Herr Mentrup verspricht sich taktisch bessere Chancen im ersten Wahlgang durch unsere Empfehlung. Ob wir Karlsruher Piraten ihm die gewünschte volle Unterstützung im OB-Wahlkampf gewähren, werden wir im Nachgang der Veranstaltung ausdiskutieren und abstimmen.

Wir hoffen nach dieser erfolgreichen Veranstaltung, dass weitere Kandidaten sich – neben ihrer Vermittlung rein politischer Inhalte – an dem Maß orientieren werden, in dem Herr Mentrup sich auf unsere Fragen eingelassen hat.