Am 14.03.2013 informierten sich Mitglieder der Piratenpartei, darunter der Direktkandidat Martin Bartsch und Listenkandidat Christian Schwarz, in einem Gespräch mit dem Generalintendanten Peter Spuhler zur Situation und Zukunft des Badischen Staatstheaters. An dem Gespräch nahmen außerdem noch Dr. Achim Sieben, persönlicher Referent sowie Ivica Fulir, Referent für Bauangelegenheiten teil.

Den Einstieg des Gesprächs bildeten Informationen über die Theaterlandschaft in Deutschland und im speziellen in Baden-Württemberg sowie deren Finanzierung.
Das Badische Staatstheater wird zu jeweils der Hälfte von Stadt und Land getragen. Der Jahresetat beträgt 40 Millionen Euro, wobei der Lohnkostenanteil bei 85 % liegt und Kürzungen im Etat dadurch fast immer direkt die Beschäftigten treffen. Das Staatstheater beschäftigt 600 Festangestellte (davon 440 tarifgebunden und 160 Künstler) sowie weiter 150 Personen mit Zeitverträgen. Die Einnahmen durch Ticketverkäufe liegen bei ca. 12 %, was dem Durchschnitt in deutschen Theatern entspräche.
Demnächst steht die Umwandlung zu einem Landesbetrieb an. Dies ermögliche mit der Einführung der doppelten Buchführung leichteres Controlling und flexibleres Wirtschaften. Es ergebe sich allerdings auch ein höheres Risiko, da sich die Träger leichter aus der Verantwortung ziehen könnten.
Weiterhin wurde über Besucherzahlen und die Besucherstruktur gesprochen. Wie auch im bundesweiten Trend sind sie in Karlsruhe rückläufig und in den letzten 20 Jahren von 390.000 auf 280.000 gesunken. Einen besonders starken Einfluss hatte laut Peter Spuhler, dass in Karlsruhe der Aufbau eines Jugend- und Kinder-Theaters lange verschlafen wurde. Eine Besucherstudie zeigt, dass das Staatstheater kein “Elitentheater” ist und eher mittlere Einkommensschichten zu den Besuchern gehören.
Angesprochen auf die vielen Baustellen in Karlsruhe sagte Herr Spuhler, dass viele Gäste aus dem Karlsruher Umland kommen und dies durch den Wegfall der Busparkplätze an der Kriegsstraße mittelfristig ein Problem darstellt. Langfristig sieht Herr Spuhler die Kombilösung als großen Zugewinn, da das Theater dann nicht mehr abgetrennt von der Innenstadt sei.
Zielsetzung für die kommenden Jahre ist es, die Besucherzahlen wieder auf über 300.000 zu erhöhen. Dies soll insbesondere dadurch erreicht werden, dass durch eine größere Vielfalt im Programm mehr Besucher aus der Stadt sowie mehr Migranten und wieder mehr junge Besucher an das Theater herangeführt werden.
In diesem Zusammenhang ging Herr Spuhler auf den geplanten Umbau ein. Der derzeitige Bau ist von 1975 und ist für ein Mainstream-Programm mit relativ wenig unterschiedlichen Vorführungen ausgelegt. Um neusten Bauvorschriften zu entsprechen, und um das Angebot des Staatstheaters wieder an einem Standort zu bündeln, soll das Theater saniert und dabei zusätzlich 11.000 m² neue Räumlichkeiten geschaffen werden. Aktuell ist der Theaterbetrieb weit über die Stadt verteilt. So sind Probebühnen in der Nancy Halle eingerichtet und das Kinder und Jugendtheater in den Räumlichkeiten der Insel. Wenn dies wieder stärker zusammengezogen werden kann ergeben sich daraus Einsparpotentiale bei den Betriebskosten.
Sanierung und Neubau werden 120 Millionen Euro kosten, davon trägt die Stadt 60 Millionen Euro. Die Neubaupläne orientieren sich an der ursprünglichen Planung des Architekten der 70er Jahre. Fertigstellt wird der Neubau frühestens 2026. Herauszuheben ist, dass die Gelder für den Neubau nicht aus dem Kulturetat kommen, da das Haus dem Finanzministerium gehört.
Zum Einfluss der Politik auf den Betrieb des Theaters zeigte sich Herr Spuhler gespalten. Er forderte auf der einen Seite mehr Engagement durch langfristigere Zusagen und Zielvorgaben, auf der anderen Seite sprach er an, dass in Karlsruhe der Verwaltungsrat den Spielplan genehmigen muss, was in einem deutschen Theater die Ausnahme darstellt. Bisher gab es allerdings noch keine größeren Probleme.
Auf Nachfrage der anwesenden Piraten, in wie weit das Staatstheater seine Räumlichkeiten und Mittel anderen Gruppen der Stadt zur Verfügung stellen kann, stellte Herr Spuhler klar, dass aufgrund der abendlichen Vorführungen und Proben leider keine Räume für z.B. Laien-Chorproben zur Verfügung stellen kann. Allerdings wurde in einer Kooperation mit der Studentengruppe enactus ein Projekt umgesetzt, dass Studenten ermöglicht tagsüber das Foyer des Staatstheaters als Lernraum zu nutzen. Dieses Angebot nehmen täglich 50-100 Studenten wahr. Desweiteren lassen sich Räumlichkeiten tagsüber nutzen (z.B. für Gymnastik- und Yoga Kurse).
Bei der Vorbereitung zu dem Termin ist den Piraten aufgefallen, dass Informationen über den Geschäftsbetrieb und die umgesetzten Projekte schwer zu finden sind. Sie regten daher im Gespräch an, dass das Staatstheater und der Verwaltungsrat einen Geschäftsbericht im Internet veröffentlichen sollten.
Verweise:
- enactus
Homepage der enactus-Studentengruppe - Publikumsstudie
Publikumsstudie am Badischen Staatstheater Karlsruhe - Staatstheater
Homepage des Staatstheaters - Junges Staatstheater
Homepage des jungen Staatstheaters - Neubau
Informationen zum Neubau - Die Insel
Informationen zur Insel
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