Demo gegen rechte Gewalt

Braun ist so 30er

Braun ist so 30er

Diesen Samstag beteiligten sich einige Karlsruher Piraten spontan an einer Demonstration gegen rechte Gewalt, die Samstag Nachmittag am Kronenplatz startete und dann durch die Innenstadt bis vor die Bundesanwaltschaft zog. Anlass war die aktuelle Aufdeckung einer rechtsextremistisch motivierten Mordserie mit mindestens 10 Todesopfern seit 2000.

Unser mitgeführtes Banner mit dem Slogan “Braun ist so 30er”, das wir bereits vor einem Jahr angefertigt hatten, vermittelte dabei eine klare Botschaft: Für braunes Gedankengut, für Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit darf in unserer Gesellschaft heute kein Platz mehr sein.

Auch der Hinweis auf die 1930er Jahre taucht dabei nicht umsonst auf. Wenn einige Politiker heute ernsthaft meinen, man könne ja nicht damit rechnen, dass Rassismus zu Gewalt bis hin zu Morden führt, sollten diese tatsächlich einmal einen Blick in die Geschichte werfen. Man muss dabei gar nicht einmal so weit zurück gehen. Die Morde und gewalttätigen Übergriffe in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen in den 1990er Jahren sollten allen heute eigentlich noch gut in Erinnerung sein.

Die Demonstration hatte aber noch eine zweite Botschaft: Die aufgedeckte Mordserie, die bekannte gewordene rechtsextreme Gewalt darf jetzt nicht dazu missbraucht werden, staatliche Überwachungsmaßnahmen zu rechtfertigen: Vorratsdatenspeicherung, bundesweite Dateien mit Verdächtigen und eine Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten bleiben weiterhin schlechte Ideen, die die Grundrechte aller Menschen in Deutschland einschränken würden.

Was man vielleicht durchaus infrage stellen muss ist das V-Mann-System, bei dem der Staat mit riesigen Summen jedes Jahr rechtsextreme Parteien und Organisationen fördert und finanziert, ohne dafür tatsächlich wertvolle Informationen zu erhalten.

Außerdem liegt es auch in der Verantwortung von Politikern, als Vorbilder und zum Schaffen eines besseren gesellschaftlichen Klimas die richtigen Entscheidungen zu treffen und die richtigen Dinge zu sagen. Gerade die Politiker, die jetzt als Reaktion auf die bekannt gewordenen Gewaltverbrechen eine Einschränkung von Bürgerrechten fordern, fielen bisher eher negativ auf: Mit Widerstand gegen ein Ende der diskriminierenden Schleierfahndung in deutschen Zügen und auf deutschen Bahnhöfen, mit unseligen Diskussionen über Leitkultur und wer oder was alles nicht zu Deutschland gehört, mit dem Blockieren weiterer notwendiger Reformen im Staatsbürgerschaftsrecht, usw.

Letztlich liegt es aber auch in der Verantwortung des Einzelnen überall dort einzuschreiten, wo einem im Alltag Rassismus, Sexismus und andere Formen von Diskriminierung begegnen. Konstantin Wecker hat das in seinem Lied “Sage Nein” schön ausgedrückt. Ich ziehe die musikalische Neuauflage von ASP vor :)

BUNDjugend Jugendaktionskongress am 29.10-3.11 in Karlsruhe

Die BUNDjugend veranstaltet am 29.10.2011 – 03.11.2011 Ihren JugendAktionsKongress (JAK) 2011 unter dem Motto “EMPÖRUNG – UTOPIE – STRATEGIE – AKTION” in der Adam-Remmele-Schule in Karlsruhe-Daxlanden.

Logo BUNDjugend JAK2011

Mit dabei auch ein Workshop der Piraten Karlsruhe. Bernd Eckenfels wird unter dem Titel “Datenüberwachung im Netz” im Rahmen des “EMPÖRUNG” Strangs am Sonntag (14-16 Uhr) die Themen Datenschutz, Überwachung und Privatsphäre näher betrachten. Dabei geht es auch um aktuelle Themen wie Staatstrojaner und Facebook Datenschutz.

“5 Tage – 200 junge Leute – Gesellschaftskritik, Umwelt, Politik, Kultur, Spaß, leckeres Essen und Musik. Seit Anfang der 90er Jahre veranstaltet die BUNDjugend Baden-Württemberg schon diesen Kongress in den Herbstferien. Er ist für alle Menschen zwischen 14 und 27 Jahre offen. Bitte vorher anmelden.”

KSC: Gesichtserkennung als warmer Empfang für die Gäste aus Aachen

(Pressemitteilung der Piraten Karlsruhe – 2011-07-28)

Forschungsprojekt Gesichtserkennung im Wildparkstadion unter Druck, Piraten warnen vor Verharmlosung der Überwachungstechnik.

Die vom KIT in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe angekündigte Evaluation des Projektes „Parallele Gesichtserkennung in Videoströmen“ (PaGeVi) gerät im Vorfeld des DFB-Pokalspiels gegen Alemannia Aachen am Sonntag in die Kritik. Fans – insbesondere der Gastmannschaft – fühlen sich nicht ausreichend über das Projekt informiert und planen ihren Unmut mit Pappmasken auszudrücken. Die Fanvereinigung Supporters Karlsruhe e.V. hat Proteste angekündigt, die Piratenpartei unterstützt dabei.

Videokameras zur Gesichtserkennung Wildparkstadion Karlsruhe 4

Quelle: Piratenpartei Karlsruhe

Die Kameras wurden bereits zur Überwachung des Eingangs zum Fanblock der Gastmannschaft installiert und begrüßen die Fans wenig freundlich (siehe Foto). Bei der Erprobung der Technik sollen nur Mitarbeiter im Besucherstrom erkannt werden. Aber selbst dabei sind einige Datenschutzaspekte noch nicht geklärt: Werden z. B. die Kamerabilder auch aufgezeichnet, damit die Forscher im Nachhinein die erwarteten Fehlerkennungen auswerten können? Eine Einbeziehung des Landesbeauftragten für den Datenschutz wäre hier dringend angeraten. Nach Gesprächen zwischen Fanbetreuung und Fans dürften die Kameras diesen Sonntag noch nicht zum Einsatz kommen und werden stattdessen verhüllt.

Bernd Eckenfels, der politische Geschäftsführer der Piratenpartei Bezirksverband Karlsruhe, kritisiert die Projektpartner Stadt Karlsruhe (als Eigentümer des Wildparkstadions), die Forschungseinrichtungen (als Initiator), den Sicherheitsdienstleister b.i.g und nicht zuletzt den Karlsruher SC: „Es zeugt von mangelnder Sensibilität zu denken, man dürfe Menschen computergesteuert beurteilen. Die Technologiefolgenabschätzung kann ich vorwegnehmen: wird nicht akzeptiert. Zudem landet das Karlsruher Wildparkstadion mal wieder in der Schublade der Badner mit den übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen“.

Videokameras zur Gesichtserkennung Wildparkstadion Karlsruhe 1

Quelle: Piratenpartei Karlsruhe

Welche Folgen hat eine Videoüberwachung?
Nach Ansicht der Piratenpartei Karlsruhe sind allerdings die langfristigen Aspekte eines Produkteinsatzes wesentlich problematischer: Mit staatlichen Fördermitteln wird offen der Einsatz einer Überwachungstechnologie gefördert, die das Potential hat, das Klima in der Zivilgesellschaft erheblich abzukühlen. Diese wurden in der Vergangenheit ganz nebenbei auch noch erfolgreich an diktatorische Regimes in aller Welt exportiert und dort zur Unterdrückung von Demokratiebestrebungen eingesetzt.

Aus der Sicht der Fans stellen sich wieder die gleichen Fragen, die schon bei rechtswidrigen Datensammelaktionen wie der Datei „Gewalttäter Sport“ erhoben wurden: Wer entscheidet, wer auf die schwarze Liste kommt? Wie lange werden Fans „gesperrt“? Häufig wurden Fans auf Verdacht oder versehentlich auf die Liste gesetzt. Dies könnte in Zukunft weitreichende Folgen für die sportbegeisterten Fans haben, wenn die Fahndungslisten erst einmal zwischen den Stadionbetreibern ausgetauscht werden.

Videokameras zur Gesichtserkennung Wildparkstadion Karlsruhe 2

Quelle: Piratenpartei Karlsruhe

Ist Videoüberwachung Sinnvoll?
Die Notwendigkeit einer automatisierten Einlasskontrolle ist ohnehin gerade im Bereich der Fußballfans höchst fraglich: Zum einen werden Stadionverbote schon heute erfolgreich durch szenekundige Beamte umgesetzt, die mit „ihren“ Fans mitreisen, zum anderen können die existierenden Probleme nur mit mehr Fanarbeit und Miteinander gelöst werden.

Die ablehnende Haltung der Piratenpartei bezüglich der Überwachungstechnik erklärt Eckenfels anschaulich: „Polizeiposten an Sektorgrenzen, an denen alle Bürger von Computern erfasst und nach Passierscheinen gefragt werden – das hört sich an wie eine Szene aus einer apokalyptischen Science-Fiction-Serie. Einschüchternde Ausweiskontrollen sind aber zu erwarten, wenn man Technik einsetzt, die auch unter idealen Bedingungen häufige Fehlalarme liefern wird. Wenn es darum geht, Risiken neutral zu bewerten und vor allem erfolgreich zu reduzieren, ist Angst kein guter Ratgeber“.


Quellen